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Hohenhamelner diskutieren mit 150 Experten in Berlin die Zukunft der Demenz

Sinnesgarten Hohenhameln als Beispiel gelungener Fortführung des Projektes „Demenzfreundliche Kommune“ gewürdigt

Rund 150 Experten aus Ministerien, Wohlfahrtsverbänden, Kommunen, Firmen, aber vor allem auch Vertreter lokaler Initiativen kamen am Dienstag, dem 8.12.2015, anlässlich der Abschlussveranstaltung des von der Aktion Demenz e.V. durchgeführten Förderprogrammes „Menschen mit Demenz in der Kommune“ der Robert Bosch Stiftung in Berlin zusammen. Gefordert wurden dabei eine Abkehr vom rein medizinisch-pflegerischen Zugang zu Demenz und eine stärkere soziale Perspektive. Eingeladen waren auch Gisela und Wilhelm Grote, um das Projekt der Generationenhilfe Börderegion e. V. „Hohenhameln auf dem Weg zur demenzfreundlichen Kommune“ vorzustellen.

Das Hohenhamelner Projekt ist eines von 78 lokalen Projekten, die seit 2008 durch das Förderprogramm in drei Auflagen bundesweit unterstützt werden konnten. Dabei wurden zivilgesellschaftliche Aktivitäten zur Begleitung und Beteiligung von Menschen mit Demenz angestoßen und erprobt. All diese Initiativen und viele mehr sind in Deutschland seitdem aktiv: Engagierte Menschen aus Politik, Kultur, Kirche und Jugendarbeit sind auf kreative Weise unterwegs zu demenzfreundlichen Kommunen.

Die Menschen mit Demenz sind in gewisser Weise die Gesellschafts-Flüchtlinge der heutigen Zeit“, so der Vorsitzende der Aktion Demenz, Prof. Dr. Dr. Reimer Gronemeyer, in seinem Impulsreferat.

Demenz stellt letztlich die Frage nach den sozialen Grundlagen unseres Gemeinwesens. Hier ist wirkliches Um- und Neudenken erforderlich, muss ein neues soziales Miteinander entwickelt werden.“

Eine zentrale Forderung der beteiligten Initiativen ist es, Menschen mit und ohne Demenz in ihrer Kommune zusammenzubringen. So kann gegenseitiges Verständnis geschaffen werden. Denn eine offene, „sympathische“ kommunale Umwelt kann sich mildernd auf den Verlauf einer Demenz auswirken. Für Betroffene und ihre Angehörigen wird dadurch vieles leichter und das soziale Miteinander im Gemeinwesen allgemein zum Besseren beeinflusst. Die Projektleiterin des Programmes, Verena Rothe, dankte den Engagierten vor Ort: „Wird die Begegnung gewagt, klappt es meist besser als erwartet. Wir freuen uns besonders, dass zahlreiche Mitwirkende große Einsatzbereitschaft und ‚Herzblut‘ gezeigt haben und dass dadurch weitere Kommunen zu eigenen Ideen und Vorhaben angeregt wurden.“

„Es ist uns sicherlich gemeinsam mit vielen Akteuren und der Unterstützung unserer Gemeindeverwaltung gelungen, das Thema „Demenz“ in unserer Gemeinde Hohenhameln mehr in das Bewusstsein zu rücken und Sensibilität im Umgang mit verwirrten Menschen zu erzielen“, erklärte Gisela Grote in ihrem Beitrag. „In unserer Begegnungsstätte nehmen an den Veranstaltungen ganz selbstverständlich auch Besucher teil, die an Demenz erkrankt sind. Der rücksichtsvolle Umgang, wie ihn auch jeder Gesunde sich wünscht, macht dies möglich.“

Die stellvertretende Vorsitzende Dr. Gabriele Kreutzner betont: „Auch wenn heute noch oftmals die Haltung existiert, dass Demenz- und Altenhilfe eher ein Kann‘ als ein ‚Muss‘ sind, beginnt sich doch vieles zu verändern. Kommunen, die langfristig denken, schließen sich dazu mit rührigen‘ Bürgerinnen und Bürgern und anderen Interessierten zusammen.“

Das allgemeine Anliegen der Aktion Demenz, Demenzfreundliche Kommunen zu schaffen, hätte ohne das Programm und die Förderung der Robert Bosch Stiftung nicht so in die Breite, in die beteiligten Kommunen und in unterstützende Kooperationsorganisationen, getragen werden können. Es ist deutlich geworden: Auch nach dem Ende des Programms muss die dahinterstehende Idee weiterverfolgt werden. Das Fazit der Veranstalter:

Auf die Frage, wie es in der Kommune weiter geht, stellten die Hohenhamelner den „Sinnesgarten Hohenhameln“ als besonderes Projekt heraus. In Kooperation mit dem Generationenhilfeverein, der Realschule Hohenhameln und der Pflegeeinrichtung „Haus am Pfingstanger“ entsteht ein Ort der Begegnung der Generationen, von Menschen mit und ohne Demenz.

v. l. Gisela Grote mit Reimer Gronemeyer u. Verena Rothe (Aktion Demenz e. V.), Dr. Gabriele Kreutzner (Dementia Europ)

v. l. Gisela Grote mit Reimer Gronemeyer u. Verena Rothe (Aktion Demenz e. V.), Dr. Gabriele Kreutzner (Dementia Europ)